Was bedeutet „vgl.“? Bedeutung und richtige Verwendung
“vgl.“ ist die Abkürzung für „vergleiche“. Sie steht in wissenschaftlichen Arbeiten vor einer Quellenangabe und zeigt, dass Sie eine Aussage sinngemäß übernommen, also paraphrasiert haben. Bei einem wörtlichen Zitat lassen Sie „vgl.“ weg.
Was heißt „vgl.“? Bedeutung und Herkunft
„vgl.“ kommt von „vergleiche“, der Befehlsform von „vergleichen“. Der Hinweis sagt der Leserin sinngemäß: Vergleichen Sie das hier Geschriebene mit der genannten Quelle, dort steht der Gedanke im Original. Genau deshalb steht „vgl.“ beim indirekten Zitat. Sie geben einen fremden Gedanken in eigenen Worten wieder und verweisen mit „vgl.“ auf den Ursprung.
„vgl.“ oder nicht? Die Zitierlogik in einem Satz
Ob „vgl.“ vor die Quelle gehört, entscheidet eine einzige Frage: Haben Sie wörtlich oder sinngemäß übernommen?
| Zitatart | Was Sie tun | Beleg |
|---|---|---|
| Indirektes (sinngemäßes) Zitat | einen Gedanken in eigenen Worten wiedergeben | mit „vgl.“: (vgl. Müller 2020, S. 15) |
| Direktes (wörtliches) Zitat | den Wortlaut in Anführungszeichen übernehmen | ohne „vgl.“: (Müller 2020, S. 15) |
Die Eselsbrücke: Ein wörtliches Zitat steht in Anführungszeichen und ist eine exakte Kopie, da gibt es nichts zu vergleichen. Beim sinngemäßen Zitat dagegen soll die Leserin Ihre Formulierung mit dem Original vergleichen können, also „vgl.“.
„vgl.“ in Fußnote und im Text: Beispiele
Wie „vgl.“ konkret aussieht, hängt vom Zitierstil ab. In der deutschen Zitierweise steht der Beleg in der Fußnote, in der Harvard- oder APA-nahen Variante direkt im Text in Klammern.
Deutsche Zitierweise (Fußnote):
- Indirektes Zitat:
Vgl. Müller 2020, S. 15. - Direktes Zitat:
Müller 2020, S. 15.
Im Text (Autor-Jahr, deutsche Variante):
- Indirektes Zitat:
(vgl. Müller 2020, S. 15) - Direktes Zitat:
(Müller 2020, S. 15)
Mehrere Quellen trennen Sie mit Semikolon: (vgl. Müller 2020, S. 15; Schmidt 2019, S. 8). Ob Ihr Fachbereich „vgl.“ im Autor-Jahr-System überhaupt verlangt, steht im jeweiligen Leitfaden. Prüfen Sie die Vorgaben Ihres Lehrstuhls, bevor Sie sich festlegen.
Beispiel: ein Absatz richtig mit „vgl.“ belegt
So sieht sauberes indirektes Zitieren im Fließtext aus (Autor-Jahr-Variante):
Der Fachkräftemangel in der Sozialen Arbeit hat sich zuletzt verschärft (vgl. Müller 2020, S. 15). Als Ursache gelten vor allem die hohe Arbeitsbelastung und die vergleichsweise geringe Bezahlung (vgl. Schmidt 2019, S. 8). Einige Autorinnen sehen zudem einen Zusammenhang mit fehlenden Aufstiegsmöglichkeiten (vgl. Weber 2021, S. 112 f.).
Jeder Beleg steht am Ende des Gedankens, den er absichert, direkt vor dem Punkt. Sobald Sie einen neuen fremden Gedanken paraphrasieren, folgt ein neuer Beleg mit „vgl.“.
„vgl.“ und Englisch: Was ist „cf.“?
In englischsprachigen Arbeiten nach APA gibt es kein „vgl.“. Eine Paraphrase bekommt dort schlicht die Quelle: (Müller, 2020). Das englische „cf.“ (von lateinisch confer, „vergleiche“) bedeutet zwar dasselbe, wird aber enger benutzt: als Aufforderung, eine andere, zum Vergleich passende Quelle heranzuziehen. „cf.“ ist damit kein Eins-zu-eins-Ersatz für das deutsche „vgl.“. Wie Quellen auf Englisch korrekt angegeben werden, zeigt der Beitrag zu Quellenangaben auf Englisch.
Die wichtigsten Zitier-Abkürzungen im Überblick
Neben „vgl.“ begegnen Ihnen in Fuß- und Endnoten weitere Kürzel. Diese Tabelle fasst die häufigsten zusammen.
| Abkürzung | Bedeutung | Wofür sie steht |
|---|---|---|
| vgl. | vergleiche | indirektes Zitat, Verweis auf die Quelle |
| s. | siehe | Verweis auf eine Stelle oder Quelle |
| s. a. | siehe auch | zusätzlicher, ergänzender Verweis |
| ebd. | ebenda | dieselbe Quelle wie in der Fußnote direkt davor |
| f. | folgende (Seite) | eine Folgeseite: „S. 15 f.“ meint Seite 15 und 16 |
| ff. | folgende (Seiten) | mehrere Folgeseiten; besser die genaue Spanne angeben |
| et al. | et alii/aliae, „und andere“ | bei mehreren Autorinnen und Autoren (je nach Stil ab drei) |
| zit. n. | zitiert nach | Sekundärzitat, das Original wurde nicht eingesehen |
| Hrsg. | Herausgeber(in) | bei Sammelbänden |
| o. J. | ohne Jahr | fehlendes Erscheinungsjahr |
„vgl.“ mit „ebd.“, „f.“ und „ff.“ kombinieren
In der Praxis steht „vgl.“ selten allein. Häufig kombinieren Sie es mit weiteren Kürzeln:
Vgl. ebd., S. 20.steht für dieselbe Quelle wie zuvor, nun Seite 20.Vgl. Müller 2020, S. 15 f.heißt: Der Gedanke steht auf Seite 15 und 16.Vgl. Müller 2020, S. 15 ff.verweist ab Seite 15 über mehrere Seiten; geben Sie nach Möglichkeit die genaue Spanne an.Vgl. Weber et al. 2021, S. 30.nennt eine Quelle mit mehreren Autorinnen und Autoren.
Wichtig ist die Reihenfolge: erst „vgl.“ als Hinweis auf das sinngemäße Zitat, dann die genaue Fundstelle.
Groß- oder Kleinschreibung? „Vgl.“ oder „vgl.“?
Beides ist richtig, es kommt auf die Position an.
- Im laufenden Text und in Klammern klein:
(vgl. Müller 2020). - Am Anfang eines Satzes oder einer Fußnote groß:
Vgl. Müller 2020, S. 15. - Immer mit Punkt, denn „vgl.“ ist eine Abkürzung. „vgl“ ohne Punkt ist falsch.
- Nach dem Punkt folgt ein Leerzeichen, idealerweise ein geschütztes, damit „vgl.“ und der Autorname nicht am Zeilenende auseinanderfallen.
Dieselbe Logik der Groß- und Kleinschreibung nach Satzzeichen sorgt oft für Unsicherheit. Eine ausführliche Übersicht bietet der Beitrag zu groß oder klein nach dem Doppelpunkt.
Typische Fehler mit „vgl.“
| ✗ Fehler | ✓ Richtig |
|---|---|
| „vgl.“ vor einem wörtlichen Zitat | wörtliches Zitat ohne „vgl.“, nur mit Quelle |
| „vgl“ ohne Punkt | „vgl.“ mit Punkt |
| „Vgl.“ mitten im Satz großgeschrieben | im Fließtext klein: „vgl.“ |
| „vgl.“ bei eigenen Schlussfolgerungen | „vgl.“ nur bei fremden, paraphrasierten Inhalten |
| „vgl.“ bei allgemein bekanntem Wissen | ohne Beleg, wenn kein Nachweis nötig ist |
Wer sauber paraphrasiert und korrekt mit „vgl.“ belegt, umgeht zugleich einen der häufigsten Plagiatsvorwürfe. Vor der Abgabe lohnt trotzdem ein Blick mit einem kostenlosen Plagiat-Check.
Wie viele „vgl.“ sind angemessen?
Ein häufiger Reflex ist, aus Angst vor Plagiat hinter jeden Satz ein „vgl.“ zu setzen. Das ist unnötig und liest sich holprig. Faustregel: Jeder fremde Gedanke braucht genau einen Beleg, nicht jeder Satz. Wenn Sie über zwei oder drei Sätze denselben Gedanken einer Quelle ausführen, genügt oft ein „vgl.“ am Ende des Abschnitts. Eigene Bewertungen und Schlussfolgerungen bleiben dagegen ganz ohne Beleg, denn sie stammen von Ihnen.
„vgl.“ richtig einsetzen, statt nur zu verstehen
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Häufige Fragen
Was bedeutet „vgl.“ in einer Fußnote?
„vgl.“ heißt „vergleiche“ und kennzeichnet in der Fußnote ein indirektes Zitat, also eine sinngemäße Übernahme. Die Fußnote „Vgl. Müller 2020, S. 15.“ verweist damit auf die Quelle des paraphrasierten Gedankens. Bei einem wörtlichen Zitat steht kein „vgl.“.
Muss vor jedem indirekten Zitat „vgl.“ stehen?
In der deutschen Zitierweise ja: Jede sinngemäße Übernahme wird mit „vgl.“ belegt. Setzen Sie es aber nur bei fremden Gedanken, nicht bei eigenen Schlussfolgerungen und nicht bei Allgemeinwissen, das keinen Nachweis braucht.
Was ist der Unterschied zwischen „vgl.“ und „ebd.“?
„vgl.“ zeigt an, dass Sie sinngemäß zitieren. „ebd.“ (ebenda) verweist auf dieselbe Quelle wie die unmittelbar vorige Fußnote. Beides lässt sich kombinieren: „Vgl. ebd., S. 20.“ meint ein indirektes Zitat aus derselben Quelle, nun von Seite 20.
Schreibt man „vgl.“ groß oder klein?
Im Fließtext und in Klammern klein: „(vgl. …)“. Groß nur am Satz- oder Fußnotenanfang: „Vgl. …„. Der Punkt gehört immer dazu, weil es eine Abkürzung ist.