prisma flussdiagrammprisma 2020systematische literaturrecherchebachelorarbeitprisma vorlage

PRISMA-Flussdiagramm Bachelorarbeit: Vorlage + Anleitung

Das PRISMA-Flussdiagramm dokumentiert in Ihrer Bachelorarbeit, wie Sie von den ersten Datenbanktreffern zu den final eingeschlossenen Studien gekommen sind. PRISMA 2020 gliedert diesen Weg in drei Phasen: Identifikation, Screening und Eingeschlossen. Jede Zahl muss nachvollziehbar aus der vorherigen hervorgehen.

Das klingt bürokratischer, als es ist. Wer die Logik einmal verstanden hat, füllt das Diagramm in einer halben Stunde aus. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen die drei Phasen mit allen Zahlenfeldern, ein durchgerechnetes Beispiel von 412 Treffern bis zu 8 eingeschlossenen Studien und wie Sie das Diagramm in Word oder PowerPoint sauber nachbauen.

Wann Sie ein PRISMA-Flussdiagramm in der Bachelorarbeit brauchen

Nicht jede Bachelorarbeit braucht ein PRISMA-Diagramm. Ausschlaggebend ist, ob Sie eine systematische Literaturrecherche durchführen oder narrativ arbeiten.

Bei einer narrativen Literaturarbeit wählen Sie passende Quellen aus, ordnen sie thematisch und argumentieren. Sie dokumentieren keinen reproduzierbaren Suchweg. Hier ist ein PRISMA-Diagramm fehl am Platz und wirkt aufgesetzt.

Ein PRISMA-Flussdiagramm gehört in Ihre Arbeit, sobald Sie definierte Datenbanken mit dokumentierten Suchbegriffen durchsuchen, vorab festgelegte Ein- und Ausschlusskriterien anwenden und den Auswahlprozess reproduzierbar machen wollen. Das ist der Kern eines systematischen Reviews. In der Bachelorarbeit läuft das oft als „systematische Literaturrecherche light": weniger Datenbanken, ein Screener statt zwei, engerer Zeitrahmen. Das Prinzip bleibt gleich, und genau dieses Prinzip macht das PRISMA-Diagramm sichtbar.

Welche Methode für Ihre Fragestellung überhaupt passt, klärt vorab der Überblick über die wissenschaftlichen Methoden; die Forschungsfrage selbst schärfen Sie am besten schon im Exposé.

Die drei Phasen des PRISMA-2020-Flussdiagramms

PRISMA 2020 ist die überarbeitete Fassung des Reporting-Standards (Page et al., 2021) und hat das ältere PRISMA 2009 abgelöst. Die wichtigste Änderung fürs Flussdiagramm: Die früher eigenständige Phase „Eignung" (Eligibility) steckt jetzt in der Screening-Phase. Statt vier Ebenen gibt es drei Phasen. Die Prüfung auf Eignung ist weiterhin da, nur als Box innerhalb des Screenings. Wer eine alte Vorlage mit separater Eignungs-Phase nutzt, arbeitet nach 2009 und fällt Prüfern sofort auf.

Phase 1: Identifikation

Hier landet alles, was Ihre Suche ausgespuckt hat, bevor Sie irgendetwas aussortieren.

  • Über Datenbanken identifizierte Datensätze: die Trefferzahl pro Datenbank (etwa PubMed, PsycINFO, Web of Science), zusammengezählt.
  • Register (optional): Studienregister wie ClinicalTrials.gov; bei den meisten Bachelorarbeiten bleibt dieses Feld leer.
  • Vor dem Screening entfernte Datensätze: hier vor allem Duplikate, die in mehreren Datenbanken auftauchen. Dazu kommen Datensätze, die Automatisierungstools als ungeeignet markieren, und solche, die Sie aus anderen Gründen entfernen.

Phase 2: Screening

In dieser Phase sichten und filtern Sie in zwei Schritten: erst Titel und Abstract, dann Volltext.

  • Gescreente Datensätze: alle Treffer nach Abzug der Duplikate. Diese lesen Sie auf Titel- und Abstract-Ebene.
  • Ausgeschlossene Datensätze: was Sie beim Titel-/Abstract-Screening aussortieren, hier noch ohne Einzelbegründung.
  • Zur Beschaffung vorgesehene Berichte: die Volltexte, die Sie sich besorgen wollen.
  • Nicht beschaffte Berichte: Volltexte, an die Sie nicht herankommen, etwa ohne Zugang oder nicht auffindbar.
  • Auf Eignung geprüfte Berichte: die Volltexte, die Sie tatsächlich komplett lesen und gegen Ihre Kriterien prüfen.
  • Ausgeschlossene Berichte mit Gründen: jetzt zählt jeder Ausschluss mit Begründung, also falsche Population, falsches Outcome, falsches Design und so weiter.

Phase 3: Eingeschlossen

  • In das Review eingeschlossene Studien: was übrig bleibt und in Ihre Analyse eingeht.
  • Berichte der eingeschlossenen Studien: die dazugehörigen Publikationen. Manchmal berichten mehrere Paper über dieselbe Studie.

Es gibt zusätzlich eine zweite Spalte für Treffer aus anderen Quellen, also Handsuche, Literaturverzeichnisse oder Websites. Für die meisten Bachelorarbeiten reicht die Datenbank-Spalte. Nehmen Sie die zweite nur dazu, wenn Sie wirklich per Hand oder über Referenzlisten gesucht haben.

Vorlage zum Mitnehmen: PRISMA-Flussdiagramm-Vorlage kostenlos als Word-Datei herunterladen (.docx) – funktioniert in Word, Google Docs und LibreOffice.

Schritt für Schritt ausfüllen: ein Zahlenbeispiel, das aufgeht

Nehmen wir eine typische Fragestellung aus der Psychologie: „Reduziert app-basiertes Achtsamkeitstraining den wahrgenommenen Stress bei Studierenden?" Sie durchsuchen vier Datenbanken. So wandern die Zahlen durch das Diagramm.

1. Identifikation. Ihre Suche liefert PubMed 120, PsycINFO 95, Web of Science 110 und PSYNDEX 87 Treffer, zusammen 412 Datensätze. Die Referenzverwaltung erkennt 74 Duplikate, die Sie entfernen. Es bleiben 338.

2. Screening auf Titel- und Abstract-Ebene. Sie screenen alle 338 Datensätze. 271 passen offensichtlich nicht, etwa falsches Thema, keine Intervention oder Tierstudien, und fliegen raus. 67 Berichte wollen Sie im Volltext lesen.

3. Volltext-Beschaffung. Von den 67 Berichten bekommen Sie 5 nicht, weil der Volltextzugang fehlt oder die Fernleihe zu lange dauert. 62 Berichte prüfen Sie auf Eignung.

4. Eignungsprüfung im Volltext. Beim vollständigen Lesen schließen Sie 54 Berichte mit Begründung aus: falsche Population (21), falsches Outcome (15), falsches Studiendesign (12), kein Peer-Review (6). Übrig bleiben 8.

5. Eingeschlossen. 8 Studien gehen in Ihre Analyse ein.

Zur Kontrolle die ganze Kette in einer Tabelle:

Feld im Diagramm Zahl
Datenbanktreffer gesamt 412
− Duplikate entfernt 74
= gescreent (Titel/Abstract) 338
− ausgeschlossen (Titel/Abstract) 271
= Volltexte gesucht 67
− nicht beschafft 5
= auf Eignung geprüft 62
− ausgeschlossen mit Gründen 54
= eingeschlossen 8

Das Prinzip: Jede Zeile ergibt sich aus der vorherigen minus dem, was rausfällt. 412 − 74 = 338. 338 − 271 = 67. 67 − 5 = 62. 62 − 54 = 8. Stimmt eine dieser Subtraktionen nicht, geht Ihr Diagramm nicht auf, und genau das prüfen erfahrene Betreuer als Erstes.

PRISMA-Flussdiagramm in Word oder PowerPoint nachbauen

Sie haben drei praktikable Wege.

Fertige Vorlage ausfüllen. Der schnellste Weg: Nehmen Sie die verlinkte Word-Vorlage von oben, tragen Sie Ihre Zahlen ein, exportieren Sie als PDF oder Bild und setzen Sie es in den Anhang oder ins Methodenkapitel. Die offizielle PRISMA-Website bietet zusätzlich englische Vorlagen zum Anpassen.

In PowerPoint bauen. Für volle Kontrolle über das Layout ist PowerPoint am robustesten. Ziehen Sie Rechtecke für die Boxen, verbinden Sie sie mit Pfeilen (Registerkarte „Einfügen" zu „Formen") und richten Sie alles über „Ausrichten" sauber aus. Danach exportieren Sie das Ganze als Bild und fügen es in Word ein. Die schräg abzweigenden Ausschluss-Boxen bekommen Sie hier am saubersten hin.

Mit SmartArt in Word. Word bietet unter „Einfügen" zu „SmartArt" zu „Prozess" vertikale Ablaufdiagramme. Für die einfache Kette Identifikation zu Screening zu Eingeschlossen reicht das. Sobald Sie die seitlichen Ausschluss-Boxen mit Zahlen brauchen, wird SmartArt fummelig; dann sind einzelne Textfelder oder eben PowerPoint die bessere Wahl.

Ein Hinweis zur Einordnung: Wenn Sie die eingeschlossenen Studien anschließend inhaltlich auswerten, etwa mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, gehört das PRISMA-Diagramm trotzdem in den Methodenteil, nicht in die Ergebnisse. Es zeigt, wie Sie zu Ihrem Sample gekommen sind, nicht, was dabei herauskam.

Typische Fehler, an denen PRISMA-Diagramme scheitern

Fehler Warum er auffällt Besser
Die Zahlen gehen nicht auf Gescreent minus Ausgeschlossen ergibt nicht die Zahl der gesuchten Volltexte Kette nachrechnen: jede Box gleich vorherige minus Ausschluss
Duplikate vergessen oder doppelt gezählt Gesamttreffer und gescreente Zahl sind identisch, obwohl mehrere Datenbanken durchsucht wurden Duplikate in der Referenzverwaltung entfernen und die Zahl notieren
Ausschlussgründe summieren sich nicht Die Einzelgründe ergeben nicht die Gesamtzahl der ausgeschlossenen Volltexte Gründe so lange prüfen, bis die Summe exakt passt
PRISMA 2009 statt 2020 verwendet Eine separate „Eligibility"-Phase als eigener Kasten taucht auf Aktuelle 2020-Vorlage nutzen, die Eignung steckt im Screening
Einzelbegründungen schon beim Titel-Screening Hunderte Ausschlüsse mit Einzelgründen wirken unglaubwürdig Gründe erst auf Volltext-Ebene dokumentieren

Der häufigste und ärgerlichste Fehler steht ganz oben: Zahlen, die nicht aufgehen. Prüfen Sie die Subtraktionskette lieber zweimal, bevor Sie das Diagramm ins PDF exportieren.

Ein PRISMA-Diagramm ist nur so gut wie die Quellen dahinter, und genau da wird es mühsam: echte, auffindbare Studien mit korrekten Angaben zusammenzusuchen kostet Tage. Wenn Sie einen Erstentwurf Ihres Methodenteils oder eine Mustervorlage der systematischen Recherche mit echten, verifizierten Quellen brauchen, liefert IntelliSchreiber das in rund einer Stunde, inklusive nachprüfbarer Quellenangaben statt erfundener Literatur. Nutzen Sie das Ergebnis als Vorlage und Orientierung: Ihre Prüfungsordnung und die Eigenständigkeitserklärung gelten weiterhin, die eigentliche Arbeit bleibt Ihre.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen PRISMA 2020 und PRISMA 2009?

PRISMA 2020 fasst die frühere Eignungs-Phase (Eligibility) mit dem Screening zusammen, sodass das Flussdiagramm drei statt vier Phasen zeigt. Neu sind eigene Felder für Datensätze, die schon vor dem Screening entfernt werden, etwa durch Automatisierungstools, und eine getrennte Spalte für Treffer aus anderen Quellen.

Brauche ich für eine narrative Literaturarbeit ein PRISMA-Diagramm?

Nein. Das PRISMA-Flussdiagramm dokumentiert einen systematischen, reproduzierbaren Suchprozess mit definierten Datenbanken und Ausschlusskriterien. Eine narrative Literaturarbeit wählt Quellen argumentativ aus, ohne diesen Suchweg offenzulegen. Setzen Sie das Diagramm nur ein, wenn Ihre Methode wirklich systematisch ist, sonst weckt es falsche Erwartungen.

Wie viele Studien muss ich am Ende einschließen?

Es gibt keine feste Mindestzahl. Auch acht sorgfältig ausgewählte Studien können ein tragfähiges Sample sein, gerade in einem eng gefassten Feld. Wichtiger als die Menge ist, dass Ihre Ein- und Ausschlusskriterien nachvollziehbar sind und die Auswahl zur Fragestellung passt.

Wo bekomme ich eine PRISMA-Flussdiagramm-Vorlage auf Deutsch?

Eine kostenlose, ausfüllbare Vorlage finden Sie oben in diesem Beitrag als Word-Datei (.docx) zum Herunterladen. Die offizielle PRISMA-Website bietet zusätzlich englische Word- und Diagramm-Vorlagen. Für die Bachelorarbeit genügt in der Regel die deutsche Variante mit der Datenbank-Spalte.