Auswertung eines Interviews: Dein Praxis-Guide

Du hast das Interview geführt, die Aufnahme ist gespeichert, vielleicht liegt schon ein halb fertiges Transkript vor. Und trotzdem fühlt sich der schwierigste Teil noch vor dir an. Viele Studierende merken genau an diesem Punkt, dass die auswertung eines interviews nicht daran scheitert, ob genug Material da ist, sondern daran, wie man aus Gesprächsinhalt eine saubere, wissenschaftlich tragfähige Analyse macht.
Gerade bei Hausarbeiten passiert dann oft dasselbe. Man liest das Transkript, markiert ein paar interessante Stellen, schreibt erste Gedanken daneben und verliert irgendwann den Überblick. Was gehört in die Ergebnisse, was ist schon Interpretation, und wie dokumentiert man den Einsatz von KI so, dass die Arbeit nachvollziehbar bleibt?
Die gute Nachricht ist: Du brauchst dafür kein Geheimwissen. Du brauchst einen klaren Ablauf, methodische Disziplin und ein paar praktische Regeln, an die du dich konsequent hältst. Im deutschsprachigen Raum ist dafür vor allem die qualitative Inhaltsanalyse verbreitet. Sie arbeitet typischerweise mit den Schritten Transkription, Kategorienbildung, Kodierung und Zusammenfassung der Ergebnisse, wie es auch in der methodischen Praxis beschrieben wird, etwa in der Darstellung zur qualitativen Interviewauswertung bei gwriters zur qualitativen Inhaltsanalyse.
Vom Gespräch zum Text: Transkription und Vorbereitung
Das Interview ist vorbei. Viele atmen an dieser Stelle kurz auf. Für die Auswertung beginnt jetzt aber erst die eigentliche Arbeit, denn ohne ein sauberes Transkript arbeitest du später mit einem unsicheren Fundament.

Wie detailliert dein Transkript sein muss
Die wichtigste Entscheidung lautet nicht: „Soll ich transkribieren?“ Das musst du. Die eigentliche Frage ist: Wie genau?
Für viele Hausarbeiten reicht ein einfaches Transkript. Du verschriftlichst den Inhalt verständlich und weitgehend wortgetreu, ohne jede Pause, jedes Zögern oder jede Betonung festzuhalten. Das passt gut, wenn du wissen willst, was gesagt wurde.
Wenn deine Forschungsfrage auch darauf abzielt, wie etwas gesagt wurde, brauchst du ein detaillierteres Vorgehen. Dann können Pausen, Lachen, auffällige Betonungen oder Unterbrechungen relevant sein. Das ist vor allem bei heiklen Themen, Konflikten oder narrativen Interviews sinnvoll.
Eine praxistaugliche Faustregel lautet:
- Inhaltsfokus: Einfaches Transkript genügt oft.
- Interaktionsfokus: Erweiterte Markierungen helfen.
- Zeitdruck: Lieber ein konsistentes einfaches System als ein halbherziges Detailsystem.
Praktische Regel: Entscheide dich vor dem ersten Satz für ein Transkriptionsniveau und zieh es dann für alle Interviews gleich durch.
So bereitest du das Material sinnvoll vor
Sobald das Transkript steht, folgt die technische und organisatorische Vorbereitung. Viele überspringen diesen Schritt und ärgern sich später, wenn Dateien, Versionen oder Sprecherangaben durcheinandergeraten.
Arbeite von Anfang an mit einem klaren Schema:
Datei benennen
Zum Beispiel mit Interviewkürzel, Datum und Version.Sprecher eindeutig markieren
Etwa „I“ für Interviewer und „B1“ für befragte Person.Unklare Stellen kennzeichnen
Nicht raten. Schreib lieber eine Markierung wie „unverständlich“.Versionen sichern
Originaltranskript und bearbeitete Analyseversion getrennt speichern.
Wenn du mit längeren Interviews arbeitest, kann es helfen, zunächst eine knappe Zusammenfassung deines Materials mit einem passenden Tool anzulegen. Das ersetzt keine Analyse, aber es erleichtert den ersten Überblick über Themen, Wendepunkte und auffällige Passagen.
Datenschutz und Anonymisierung
Für eine Hausarbeit ist Anonymisierung kein Nebenthema. Sie gehört zur methodisch sauberen Vorbereitung. Namen, Orte, Firmen, konkrete Positionen oder andere identifizierende Angaben solltest du systematisch ersetzen.
Ein einfaches Muster funktioniert meist gut:
| Original im Transkript | Anonymisierte Form |
|---|---|
| „Herr Meier von der Sparkasse Nürnberg“ | „Person A aus einer regionalen Bank“ |
| „an der Schule in Erlangen“ | „an einer Schule in Süddeutschland“ |
| „meine Kollegin Julia“ | „eine Kollegin“ |
Wichtig ist dabei Konsistenz. Wenn du eine Person einmal als „Person A“ bezeichnest, dann bleibt es dabei.
Lieber etwas stärker anonymisieren als versehentlich zu viel preisgeben.
Bei KI-gestützter Transkription ist dieser Punkt noch sensibler. Dann solltest du dokumentieren, welches Tool du verwendet hast, welche Rohfassung daraus entstanden ist und welche Korrekturen du selbst vorgenommen hast. Sonst ist später kaum nachvollziehbar, ob ein Fehler aus dem Interview stammt oder durch das Tool eingeführt wurde.
Das Herzstück der Analyse: Kodieren und Kategorien entwickeln
Der Moment, in dem aus einem langen Gespräch wissenschaftlich nutzbares Material wird, heisst Kodieren. Du liest nicht mehr nur mit, sondern ordnest Aussagen systematisch. Dabei fragst du bei fast jeder relevanten Passage: Was steckt hier inhaltlich drin, und zu welchem Thema gehört das?
Die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring wird in Deutschland in der Praxis häufig so beschrieben: Zuerst wird transkribiert, dann werden auf Basis von Forschungsfrage und Material Kategorien gebildet, danach ordnest du Textstellen den Kategorien zu und vergleichst am Ende Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Überschneidungen systematisch. Genau dieses sequenzielle Vorgehen sowie der Hinweis auf einen Kodierleitfaden mit Kategorien, Textbeispielen und Kodierregeln wird in der Darstellung von GoSpeech zur Interviewauswertung zusammengefasst.

Deduktiv oder induktiv
Viele Studierende stolpern hier über zwei Begriffe, die komplizierter klingen, als sie sind.
Deduktiv bedeutet: Du leitest erste Kategorien aus deiner Forschungsfrage oder aus Literatur ab.
Induktiv bedeutet: Du entwickelest Kategorien erst beim Lesen direkt aus dem Material.
In Hausarbeiten ist oft eine Kombination sinnvoll. Du startest mit einigen Oberkategorien und bleibst offen für neue Unterkategorien, die im Interview auftauchen.
Ein Beispiel. Deine Forschungsfrage lautet: Wie erleben Studierende die Vereinbarkeit von Studium und Nebenjob?
Dann könntest du deduktiv mit solchen Kategorien starten:
- Zeitdruck
- finanzielle Entlastung
- Belastung im Alltag
- Unterstützungsstrategien
Beim Lesen merkst du vielleicht, dass mehrere Befragte über Schuldgefühle sprechen, wenn sie weder im Studium noch im Job ihren eigenen Ansprüchen genügen. Daraus kann induktiv eine neue Unterkategorie entstehen, etwa subjektiver Leistungsdruck.
So sieht Kodieren praktisch aus
Nehmen wir diese Interviewaussage:
„Ich arbeite eigentlich nur am Wochenende, aber selbst dann habe ich ständig das Gefühl, dass ich etwas fürs Studium tun müsste.“
Du könntest die Passage so bearbeiten:
| Textstelle | Erster Code | Mögliche Kategorie |
|---|---|---|
| „arbeite nur am Wochenende“ | Arbeitsorganisation | Nebenjob-Struktur |
| „ständig das Gefühl“ | innerer Druck | subjektiver Leistungsdruck |
| „müsste etwas fürs Studium tun“ | Konkurrenz der Anforderungen | Zeitdruck |
Wichtig ist: Ein Code ist noch keine fertige Interpretation. Er ist zunächst ein Arbeitslabel, das dir hilft, ähnliche Aussagen wiederzufinden.
Nach einigen Seiten merkst du meist, dass manche Codes zu breit, zu eng oder doppelt sind. Genau dann beginnt die eigentliche Denkarbeit. Du schärfst die Begriffe nach, führst ähnliche Codes zusammen und trennst solche, die inhaltlich doch Verschiedenes meinen.
Ein Kodierleitfaden macht deine Analyse belastbar
Viele Hausarbeiten werden nicht an der Idee, sondern an der mangelnden Nachvollziehbarkeit schwach. Ein Kodierleitfaden hilft dir, das zu vermeiden. Er zwingt dich, jede Kategorie sauber zu definieren.
Ein guter Leitfaden enthält mindestens:
Kategorienname
Etwa „subjektiver Leistungsdruck“.Definition
Was zählt dazu, was nicht?Ankerbeispiel
Eine typische Textstelle aus deinem Material.Kodierregel
Wann wird eine Passage dieser Kategorie zugeordnet?
Wenn du bei Methodenfragen unsicher bist, hilft oft ein kurzer Blick auf grundlegende Methoden der empirischen Sozialforschung, damit du deine Vorgehensweise sauber begründen kannst.
Nach dem ersten Kodierdurchgang lohnt sich ein zweiter Blick mit etwas Abstand. Lies einzelne Passagen erneut und prüfe, ob du sie noch genauso zuordnen würdest. Wenn nicht, ist das kein Scheitern, sondern Teil des Prozesses.
Zur Veranschaulichung kann auch dieses Video hilfreich sein:
Den richtigen Weg finden: Gängige Analyseverfahren im Überblick
Du hast dein Interview transkribiert, erste Codes vergeben und stehst nun vor einer typischen Frage in der Hausarbeit: Welches Analyseverfahren passt eigentlich zu deinem Material? Genau an diesem Punkt verzetteln sich viele Studierende. Sie wählen die Methode, die sie schon einmal gehört haben, statt diejenige, die ihre Forschungsfrage am besten trägt.
Die Wahl des Verfahrens funktioniert wie die Wahl eines Werkzeugs. Ein Schraubenzieher ist nicht schlechter als ein Hammer. Er passt nur zu einer anderen Aufgabe. Genauso ist es bei der auswertung eines interviews. Nicht jede Methode sucht nach denselben Dingen im Text.

Qualitative Inhaltsanalyse
Die qualitative Inhaltsanalyse ist im deutschsprachigen Raum für Hausarbeiten oft die am besten nachvollziehbare Wahl. Sie eignet sich besonders, wenn du Aussagen systematisch ordnen, vergleichen und entlang klarer Kategorien auswerten willst. Gerade bei Experteninterviews oder leitfadengestützten Interviews ist das häufig sinnvoll, weil das Material schon eine gewisse thematische Struktur mitbringt.
Typisch ist ein schrittweises Vorgehen: Du arbeitest mit Kategorien, ordnest Textstellen zu und verdichtest das Material anschließend zu übergreifenden Ergebnissen. Die Methode hilft dir vor allem dann, wenn du in deiner Arbeit sauber zeigen möchtest, wie du von einzelnen Aussagen zu einer begründeten Interpretation gekommen bist.
Für Studierende ist das ein großer Vorteil. Lehrende können deinen Analyseweg leichter prüfen, und du selbst behältst eher den Überblick.
Thematische Analyse
Die thematische Analyse ist offener. Sie fragt weniger streng nach einem festen Kategoriensystem und stärker nach wiederkehrenden Mustern, Bedeutungen und Spannungen im Material. Wenn du etwa untersuchen willst, welche Erfahrungen Studierende mit digitaler Lehre verbinden, kann diese Methode gut passen, weil sie Raum für unerwartete Themen lässt.
Gerade dieser offene Charakter führt aber oft zu Unsicherheit. Viele erkennen interessante Themen im Material, dokumentieren jedoch nicht genau genug, wie diese Themen entstanden sind. Für eine gute Hausarbeit reicht es nicht, am Ende drei oder vier Schlagworte zu nennen. Du musst zeigen können, welche Textstellen zu welchem Thema geführt haben und warum du bestimmte Passagen zusammenliest.
KI-Tools können hier nützlich sein, etwa um wiederkehrende Begriffe, Formulierungen oder semantisch ähnliche Passagen vorzustrukturieren. Diese Vorarbeit ersetzt deine Analyse aber nicht. Wenn du solche Tools nutzt, solltest du in der Methodik knapp festhalten, wofür genau du sie eingesetzt hast, welches Tool verwendet wurde und welche analytischen Entscheidungen weiterhin von dir getroffen wurden. Das macht den KI-Einsatz wissenschaftlich sauber dokumentierbar.
Grounded Theory
Die Grounded Theory geht einen Schritt weiter. Hier möchtest du nicht nur Material ordnen, sondern aus den Daten schrittweise eine theoretische Erklärung entwickeln. Die Frage lautet dann nicht bloß: Was wird gesagt? Sie lautet eher: Wie hängt das Gesagte zusammen, unter welchen Bedingungen entsteht ein bestimmter Prozess, und welche Muster lassen sich theoretisch fassen?
Für eine klassische Hausarbeit ist das machbar, aber anspruchsvoll. Du brauchst ein wirklich offenes Forschungsinteresse, musst eng am Material arbeiten und deine Kategorien im Verlauf mehrfach prüfen und weiterentwickeln. Wer Grounded Theory wählt, sollte also nicht nur viele Codes sammeln, sondern bereit sein, aus ihnen ein erklärendes Modell zu entwickeln.
Auch hier können digitale Hilfsmittel unterstützen, zum Beispiel beim Vergleich ähnlicher Passagen oder beim Organisieren von Memos. Die theoretische Verdichtung bleibt jedoch deine Aufgabe. KI darf Vorschläge machen. Begründen musst du sie selbst.
Welche Methode passt wozu?
Eine einfache Orientierung hilft oft mehr als lange Methodendebatten:
| Verfahren | Typische Frage | Fokus | Gut geeignet für |
|---|---|---|---|
| Qualitative Inhaltsanalyse | Welche Themen und Unterschiede zeigen sich? | Kategorien und Vergleich | Hausarbeiten, Experteninterviews |
| Thematische Analyse | Welche Muster ziehen sich durch das Material? | Themen und Bedeutungen | explorative Projekte |
| Grounded Theory | Wie entsteht ein sozialer Prozess? | Theorieentwicklung | sehr offene, theorieaufbauende Arbeiten |
Wenn deine Betreuungsperson methodische Sicherheit erwartet, ist die qualitative Inhaltsanalyse oft die sicherste und am besten nachvollziehbare Wahl.
Entscheidend ist am Ende weniger der Name der Methode als ihre Begründung. Schreib daher nicht nur, welches Verfahren du nutzt, sondern welche Forschungsfrage du damit beantworten willst, warum es zu deinem Interviewmaterial passt und ob du Software oder KI lediglich zur Unterstützung bei Organisation und Strukturierung verwendet hast. Spätestens bei der Bewertung von Nachvollziehbarkeit und Güte spielt diese Offenlegung eine große Rolle. Eine gute Orientierung dafür findest du in den Hinweisen zu Reliabilität und Validität für deine Abschlussarbeit.
Die Qualität deiner Arbeit sichern: Validität und Reliabilität
Viele verbinden Gütekriterien mit trockener Methodik. In Wahrheit schützen sie dich vor genau dem Vorwurf, den Lehrende bei qualitativen Arbeiten oft machen: „interessant, aber nicht nachvollziehbar“. Wenn du die Qualität deiner auswertung eines interviews absicherst, machst du deine Arbeit nicht unnötig kompliziert. Du machst sie glaubwürdig.

Intersubjektive Nachvollziehbarkeit
Der wichtigste Punkt in studentischen Arbeiten ist selten absolute Objektivität. Entscheidend ist, dass eine andere Person verstehen kann, wie du von der Textstelle zur Interpretation gekommen bist.
Dafür brauchst du keine komplizierte Theoriesprache. Du brauchst Dokumentation.
Hilfreich sind vor allem diese Bausteine:
Kodierleitfaden sauber führen
Kategorien, Definitionen und Beispiele schriftlich festhalten.Entscheidungen notieren
Etwa warum zwei Codes zusammengelegt wurden.Analyseweg offenlegen
Schreib in der Methodik nicht nur das Ergebnis, sondern den Weg dorthin.
Wenn du diese Punkte konkret umsetzen willst, findest du eine gute Orientierung in den Hinweisen zu Reliabilität und Validität in wissenschaftlichen Arbeiten.
Was Validität praktisch bedeutet
Validität heisst in diesem Zusammenhang: Deine Interpretation soll zum Material passen. Du darfst also nicht mehr in eine Aussage hineinlesen, als die Passage wirklich trägt.
Ein einfacher Selbsttest hilft. Frag dich bei jeder grösseren Deutung:
- Worauf im Material stütze ich diese Aussage?
- Gibt es eine alternative Lesart?
- Habe ich ein passendes Zitat oder mehrere ähnliche Stellen?
Gute qualitative Forschung zeigt nicht nur Ergebnisse. Sie zeigt auch, warum diese Ergebnisse plausibel sind.
Triangulation und Rückkopplung
Wenn deine Arbeit es erlaubt, kannst du Interpretationen zusätzlich absichern. Zwei Wege sind besonders praktisch.
Zum einen kannst du Triangulation nutzen. Das heisst, du vergleichst dein Interviewmaterial etwa mit Dokumenten, Notizen oder weiterer Literatur. Zum anderen kannst du bei sensiblen oder stark deutungsbedürftigen Themen eine Form der kommunikativen Validierung erwägen, also Rückmeldung durch die interviewte Person.
Beides ist kein Pflichtprogramm für jede Hausarbeit. Aber schon der Hinweis, dass du alternative Deutungen geprüft oder Befunde mit weiterem Material abgeglichen hast, stärkt deine Argumentation deutlich.
Von Codes zu Kapiteln: Ergebnisse überzeugend darstellen
An diesem Punkt haben viele Studierende schon gute Analysearbeit geleistet und verlieren sie dann beim Schreiben wieder. Das Ergebniskapitel ist kein Ablageort für Codes. Es ist der Ort, an dem du geordnet zeigst, was du herausgefunden hast.
Eine klare Struktur für dein Ergebniskapitel
Am besten funktioniert meist ein einfacher Aufbau. Du beginnst mit einem kurzen Einstieg, in dem du erinnerst, auf welcher Auswertungslogik dein Kapitel basiert. Danach ordnest du die Darstellung entlang deiner Hauptkategorien.
Ein typisches Muster sieht so aus:
| Teil des Kapitels | Funktion |
|---|---|
| Kurze Einleitung | Analysefokus und Gliederungslogik nennen |
| Hauptkategorie 1 | zentrales Thema darstellen und mit Zitaten belegen |
| Hauptkategorie 2 | Unterschiede, Spannungen oder Ergänzungen zeigen |
| Hauptkategorie 3 | weitere relevante Muster herausarbeiten |
| Synthese | wichtigste Befunde knapp bündeln |
Wichtig ist, dass jede Kategorie mehr enthält als nur Zitate. Du musst die Aussagen einordnen.
Zitate richtig einbetten
Ein häufiger Anfängerfehler ist das Aneinanderreihen von Interviewzitaten. Das wirkt schnell wie Materialsammlung statt Analyse.
Schwach wäre zum Beispiel:
„Ich war oft überfordert.“
„Mir hat die Zeit gefehlt.“
„Es war manchmal zu viel.“
So wirkt es besser:
Mehrere Befragte beschreiben den Studienalltag als dauerhaft überlastend. Die Belastung zeigt sich nicht nur im Zeitmangel, sondern auch im Gefühl, den Anforderungen nie vollständig gerecht zu werden. Eine Person formuliert das besonders deutlich: „Ich war oft überfordert.“
Der Unterschied ist einfach. Im zweiten Beispiel führst du die Analyse, und das Zitat dient als Beleg.
Ergebnisse schreiben, nicht schon diskutieren
Die Grenze zwischen Ergebnis und Diskussion verschwimmt leicht. Im Ergebniskapitel beschreibst du zunächst, welche Muster im Material sichtbar werden. Grössere theoretische Einordnungen, Literaturvergleiche und Wertungen gehören meist erst in die Diskussion.
Praktisch heisst das:
- Im Ergebnis: „Mehrere Befragte schildern Zeitdruck als dauerhafte Belastung.“
- In der Diskussion: „Das lässt sich als Hinweis auf strukturelle Rollenkonflikte deuten.“
Wenn du diese Trennung einhältst, wirkt deine Arbeit sofort klarer. Und du machst es Lesenden leichter, deinen Gedankengang nachzuvollziehen.
Smarte Helfer: Software und KI bei der Interviewauswertung
Viele Studierende arbeiten ihre Interviews noch komplett von Hand aus, mit Word-Kommentaren, Farbcodes und Tabellen. Das kann funktionieren. Spätestens bei mehreren Interviews wird es aber schnell unübersichtlich. Dann helfen spezialisierte Programme.
Klassische Software für qualitative Analyse
Für die Organisation und Kodierung werden häufig Programme wie MAXQDA, ATLAS.ti oder f4analyse genutzt. Sie helfen dir dabei, Transkripte zu verwalten, Codes sauber anzulegen, Textstellen wiederzufinden und Kategorien zu überarbeiten.
Der Vorteil liegt nicht darin, dass die Software für dich denkt. Sie hält deinen Analyseprozess strukturiert. Das ist besonders hilfreich, wenn du viele Codes, mehrere Dokumentversionen oder Vergleichsfälle hast.
Eine weitere Option im Schreibprozess ist IntelliSchreiber. Das Tool erstellt auf Basis vorgegebener Themen, Gliederungen und Quellen wissenschaftliche Texte mit Quellenapparat. Für Studierende kann das etwa bei der Strukturierung eines Methodik- oder Ergebnisteils nützlich sein. Die eigentliche qualitative Auswertung, also das interpretative Kodieren und die methodische Entscheidung, bleibt aber deine Aufgabe.
Wo KI wirklich helfen kann
Der spannendere Punkt ist heute oft nicht klassische Software, sondern KI. Viele nutzen bereits KI-gestützte Transkription, erste Themenvorschläge oder Vorstrukturierungen. Genau hier entsteht aber auch ein methodischer Blindspot.
In einer Darstellung zur Interviewauswertung wird dieser Punkt sehr klar benannt: Ein oft übersehener Bereich ist die Frage, wie man Interviewdaten von einem KI-gestützten Transkriptions- oder Analyse-Workflow sauber abgrenzt und methodisch absichert. Dort wird auch auf den aktuellen HAI-Bericht der Initiative D21 verwiesen, wonach 37 % der Erwerbstätigen im Jahr 2025 KI am Arbeitsplatz genutzt haben, wobei die Nutzung besonders in wissensintensiven Tätigkeiten wächst. Für Studierende werde deshalb immer wichtiger, nicht nur zu fragen, wie man kodiert, sondern wie ein KI-unterstützter Prozess wissenschaftlich überprüfbar bleibt, nachzulesen bei ghostwriter-arbeiten zur Interviewauswertung und KI-Dokumentation.
So dokumentierst du KI sauber
Wenn du KI nutzt, brauchst du einen kleinen Prüfpfad in deiner Methodik. Sonst bleibt unklar, welche analytischen Entscheidungen von dir stammen.
Dokumentiere mindestens diese Punkte:
Welches Tool du eingesetzt hast
Etwa für Transkription, Zusammenfassung oder Vorcodierung.An welcher Stelle im Prozess
Vor der eigentlichen Analyse, während der Sichtung oder zur sprachlichen Überarbeitung.Welche Kontrolle du vorgenommen hast
Zum Beispiel manuelle Korrektur des Transkripts oder Überprüfung aller KI-Vorschläge am Originaltext.Was nicht automatisiert wurde
Etwa finale Kategorienbildung und Interpretation.
KI darf dir Arbeit abnehmen. Die wissenschaftliche Verantwortung nimmt sie dir nicht ab.
Gerade darin liegt heute ein echter Vorteil gegenüber vielen Standard-Anleitungen. Nicht die Nutzung von KI ist das Problem, sondern ihre unsichtbare Nutzung. Wenn du sie offen dokumentierst, kritisch prüfst und methodisch einhegst, wird dein Vorgehen stärker statt schwächer.
Wenn du für deine Hausarbeit nicht nur die auswertung eines interviews, sondern auch Gliederung, Formulierungen und Quellenarbeit effizient organisieren willst, kann IntelliSchreiber ein praktisches Werkzeug sein. Die Plattform unterstützt beim Erstellen wissenschaftlicher Texte auf Basis vorgegebener Themen und eigener Quellen. Für Studierende mit wenig Zeit ist das besonders dann hilfreich, wenn der methodische Kern schon steht und die schriftliche Ausarbeitung sauber strukturiert werden muss.